Dezember 23rd, 2009 von
Helmut_Reich
2009 war gewiss kein einfaches Jahr für die Beschäftigten der Bankinstitute. Als Folge der Finanzkrise wurden Filialen geschlossen und Arbeitsplätze sowohl in der Breite als auch in der Spitze abgebaut. Und als Mitverursacher dieser Situation wurde bei der Medienschelte oftmals auch der einfache Bankangestellte gleich mit in Sippenhaft genommen. Der gute Ruf des Bankers hat in diesem Jahr also arg gelitten, teilweise sicherlich zu Recht, aber manches Mal sind die Kritiker auch weit über ihr Ziel hinausgeschossen.
Schadensbegrenzung und die Hoffnung auf ein besseres Jahr bestimmten das Bild bei den Weihnachtsfeiern in den Bankfilialen und bei den Gesprächen mit den Kunden. Ein kleines Trostpflaster gibt es jedoch noch vor dem Jahreswechsel zu vermelden: Die Durchschnittsgehälter der Banker haben sich auch im Krisenjahr weiter erhöht.
Eine kürzlich veröffentliche Untersuchung des Beratungsunternehmens Kienbaum ergab, dass die Vergütung für Führungskräfte im Bankgewerbe im Untersuchungszeitraum von Juli 2008 bis zum Juli 2009 um 2,7 Prozent gestiegen ist. Allerdings wurden bei einigen der großen Banken Gehaltserhöhungen vorübergehend auch ausgesetzt, besonders die Institute, denen die Krise hart zugesetzt hat, waren davon betroffen.
Am meisten konnte bei privaten Geschäftsbanken verdient werden, hier gab es – das ist keine Überraschung - auch die höchsten Bonuszahlungen. Obwohl diese momentan stark in der öffentlichen Kritik stehen, gibt es laut der Studie weiterhin einen allgemeinen Trend hin zu variablen Vergütungssystemen bei Banken.
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Dezember 18th, 2009 von
Helmut_Reich
Wenn die großen Ratingagenturen den Daumen über ein Unternehmen oder einen Staat senken, dann ist es oftmals schon zu spät. Diesmal hat es Griechenland getroffen, wegen der hohen Staatsverschuldung sei die Kreditwürdigkeit nicht mehr in einem soliden Maße gewährleistet. Darlehen werden nun erneut teurer, die Zahlungsfähigkeit sinkt weiter. Der griechische Premierminister sieht bereits die Souveränität des Landes gefährdet.
Deshalb hat die Regierung nun umfangreiche Sparmaßnahmen angekündigt, sich damit aber den Zorn vieler betroffener gesellschaftlicher Gruppen zugezogen – es wird demonstriert und gestreikt. Doch Handlungsbedarf besteht in Griechenland allemal. Das Land ist nicht nur hoch verschuldet, sondern auch von einem besonders stark aufgeblähten öffentlichen Dienst geprägt.
Wichtig ist die weitere Entwicklung der griechischen Volkswirtschaft auch für die Stabilität des Euro. Von den EU-Konvergenzkriterien ist das Land am weitesten von allen Staaten der Währungsunion entfernt. Mehr als 120 Prozent beträgt der Anteil der Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt - erlaubt sind jedoch nur 60 Prozent. Mit dem Überschreiten dieser Grenze haben als Folge der Wirtschaftskrise momentan zwar nahezu alle Länder der Euro-Zone zu kämpfen, doch die Griechen haben schon bei der Aufnahme nur durch Statistiktricksereien die Kriterien erfüllen können.
Wie es weitergehen soll, ist fraglich. Eigentlich stünde eine finanzielle Bestrafung des Mittelmeerstaats an, was die Schulden jedoch weiter erhöhen würde. Auf den Euro könnte sich der drohende Bankrott Griechenlands so oder so gefährlich auswirken. Und mittelfristig droht aus Sicht der Währungshüter weitere Gefahr, denn auch um Spanien und Irland ist es wirtschaftlich derzeit nicht gut bestellt – das griechische Feuer könnte sich also noch zu einem Flächenbrand in Europa ausweiten.
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Dezember 9th, 2009 von
Helmut_Reich
Die hohen Bonuszahlungen für Banker sind nicht nur in Deutschland umstritten. In vielen Ländern sind diese zu einem Symbol für die Finanzmisere geworden. Keine Boni, keine Krise – so scheinen Teile der Öffentlichkeit und der Medien zu denken. In Großbritannien gibt es daher schon bald eine Regel, die in der Bevölkerung gut ankommen wird. Eine Steuer auf Boni. 50 Prozent sollen die Banker berappen, vorerst allerdings nur für ein Jahr.
Wer über 25.000 Pfund an Bonuszahlungen erhält, der muss die Hälfte an den Staat abführen. Das gab der Finanzminister Alistair Darling heute bekannt. Mit dieser Sondersteuer soll der Arbeitsmarkt belebt werden. Gleichzeitig wird damit bezweckt, dass die angeschlagenen Banken mögliche Gewinne lieber dazu nutzen, ihr Eigenkapital aufzubessern. Ob die Steuer allerdings auch hilft, die risikoreichen Geschäfte der Banker zu minimieren, ist fraglich.
Bankenverbände fürchten bereits den Abzug der Finanzbranche. Vor allem gute Mitarbeiter könnten abwandern, heißt es. Weitere Beschwerden kommen von den Instituten, die in der Krise bisher keine Staatshilfe in Anspruch nehmen mussten. Doch die neue Regel bietet Schlupflöcher: Große Teile der Bonuszahlungen könnten in Fixgehälter umgewandelt werden. Oder einfach ins nächste Jahr verschieben – in der Hoffnung, dass diese Strafsteuer nur eine populäre Maßnahme vor den anstehenden Parlamentswahlen ist.
Doch in ihrer angekündigten Einmaligkeit wirkt die Regel nur wie ein schlechter Scherz. Die Unsicherheit, ob die Steuer auf Boni nicht doch in den nächsten Jahren regelmäßig erhoben wird, lastest schon jetzt auf der gesamten britischen Bankenbranche. Und diese ist wirklich besser beraten, von einer dauerhaften Steuer auszugehen, denn anders macht diese Maßnahme einfach keinen Sinn.
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Dezember 3rd, 2009 von
Helmut_Reich
Das traditionsreiche Hamburger Hotel Atlantik liegt direkt an der Alster. Von großen Schiffen ist dort nichts zu sehen. Nicht der passendste Ort also für den Verband Deutscher Reeder, um seine Jahresbilanz zu ziehen. Denn das eigentliche Geschehen in der Schifffahrt spielt sich auf den Weltmeeren ab und ein beträchtlicher Teil davon auf der Elbe, nur einige hundert Meter vom Atlantik-Hotel entfernt.
Doch auch dort war der Betrieb in den vergangenen Monaten merkwürdig ruhig. Weniger Containerschiffe, weniger Hafengeräusche, weniger Hinterlandverkehr. Die Folgen der Wirtschaftskrise waren und sind im Hamburger Hafen für jeden Beobachter offensichtlich. Und der Reederverband lieferte heute dazu die entsprechenden Zahlen: Rückgang des Welthandels um zwölf Prozent, davon beeinflusst sank auch der Containerverkehr auf See um zehn Prozent.
Eine Entwicklung, die kaum jemand in der Schifffahrt für möglich gehalten hatte. Obwohl diese schon immer ein besonders zyklisches Geschäft war, wurden weiter viele neue Frachter bestellt, ohne Rücksicht auf Verluste. Die Folgen sind fatal: Überkapazitäten, niedrige Charterraten und die in Boomzeiten georderten Schiffe können oft nicht mehr bezahlt werden. Bei der Kapitalbeschaffung klagt die Branche, die noch vor eineinhalb Jahren quasi im Geld schwamm, mittlerweile über Engpässe.
Wie in anderen Industriezweigen wird nun auch hier der Ruf nach dem Staat laut. Reeder-Chef Michael Behrendt fordert Unterstützung, betont aber zugleich, dass diese Finanzhilfen nur für eine Phase der Überbrückung gedacht seien. Ob mit stabilisierenden Maßnahmen oder ohne – es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen nach einer Erholung ein wenig stärker auf Sicht fahren. Denn die nächste Krise kommt bestimmt.
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