Krise unter dem Mikroskop

Juli 22nd, 2009 von Helmut_Reich

Wohl kein Land hat die Wirtschaftskrise so hart getroffen wie Island. Dem vorhergehenden Boom besonders stark verfallen, zeigt sich dann auch der Einbruch umso kräftiger. Wie unter einem Mikroskop können die Krisenfolgen hier nur auf kleinem Raum – Island hat nur etwas mehr als 300.000 Einwohner - besonders deutlich beobachtet werden.

Etwa ein Viertel der Wirtschaft entfallen auf den Finanzsektor. Die drei großen Banken Kaupthing, Glitnir und Landsbanki wurden bereits im Oktober 2008 verstaatlicht – die Forderungen der Gläubiger sind um ein Vielfaches höher als das Bruttoinlandprodukt der Vulkan- und Partyinsel. Gesundschrumpfen ist nun angesagt, die drei umgewandelten beziehungsweise neu gegründeten Banken sind nun unter staatlicher Kontrolle nur noch für das Inlandsgeschäft zuständig.

Rettung bringen soll jetzt eine Milliarden-Finanzspritze an die Institute und die Aufnahme des Inselstaates in die Europäische Union, möglichst bald gefolgt von der Einführung der Euro-Gemeinschaftswährung. Der Bankensektor dürfte aber noch auf längere Zeit am Boden liegen. Immerhin: Eine kleine Privatbank gibt es noch auf Island – sie beschäftigt ganze 50 Mitarbeiter.

Aufatmen können allerdings die deutschen Sparer, die ihr Geld bei der Kaupthing-Bank angelegt hatten. Mehr als 30.000 Kunden mussten einige Monate um ihre insgesamt über 300 Millionen Euro zittern, doch in diesen Tagen haben sie ihre Einlagen zurückbekommen. Nur auf ihre Zinsen müssen die einst so renditehungrigen Kleinanleger wohl noch etwas warten.

Geschrieben in Allgemein | 1 Kommentar »

Wachstum - made in China

Juli 16th, 2009 von Helmut_Reich

Weltwirtschaftswachstum, Globalisierung, Boom – das sind Vokabeln, die noch vor zwei Jahren regelmäßig die Wirtschaftsmedien bestimmten. Dann kam die Finanzkrise, aus der schnell eine einschneidende Wirtschaftskrise wurde. Mit der Folge, dass in fast allen großen Ländern das Bruttoinlandsprodukt derzeit deutlich sinkt.

Anders ist die Situation jedoch in China. Zwar gab es nach jahrelang zweistelligen Zuwachsraten auch hier Einbußen, doch im ersten Quartal 2009 lag das Plus weiter bei beachtlichen 6,1 Prozent. Und nun wurde für die Monate April bis Juni sogar schon wieder 7,9 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum gemeldet. Für das erste Halbjahr bedeutet das einen Zuwachs von 7,1 Prozent - eine Krise sieht anders aus.

Doch diese Zahlen sollte man genauer untersuchen. Sicher wird das Wachstum in der Region mit weit über einer Milliarde Menschen langfristig nicht zu stoppen sein, zu weit ist die Bevölkerung in weiten Teilen der Republik noch von westlichen Standards entfernt. Doch eine große Rolle spielt das Konjunkturprogramm des Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Etwa vier Billionen Yuan fließen in die Volkswirtschaft, hinzu kommen Kredite in Rekordhöhe.

Vielleicht erweist sich China mit seinen einigermaßen stabilen Wachstumszahlen so erneut als Schrittmacher für die Weltwirtschaft. Doch wie abhängig zum Beispiel die USA mittlerweile vom Reich der Mitte sind, zeigt die Tatsache, dass bereits ein Viertel der amerikanischen Staatsverschuldung von den Chinesen gehalten wird. Dank der starken Exportwirtschaft ist das Land zum größten Gläubiger der USA aufgestiegen. Und die Wirtschaftskrise scheint Chinas neue Stellung in der Welt weiter zu stärken.

Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »

Kampf der Giganten

Juli 10th, 2009 von Helmut_Reich

Marktanteile zu verlieren ist für den amerikanischen Konzern Microsoft keine neue Erfahrung mehr. Der hauseigene Windows Internet Explorer musste bereits auf vielen Rechnern dem Konkurrenzprodukt Mozilla Firefox weichen. Doch das interessiert Konzernchef Steve Ballmer derzeit wohl nur am Rande, denn plötzlich geht es für sein Unternehmen ans Eingemachte.

Der Internetriese Google plant, bis zum Ende des Jahres 2010 ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln - und betritt damit das Hoheitsgebiet von Microsoft. Deren Hauptgeschäft scheint damit massiv gefährdet zu sein, denn Google will sein Betriebssystem mit dem Namen Chrome OS an die Nutzer verschenken – bei Microsoft sind dagegen teure Lizenzen notwendig.

Zunächst soll Chrome OS auf den derzeit beliebten Netbooks laufen, später dann auch auf herkömmlichen Desktop-Rechnern. Einfache Bedienung, Sicherheit und Schnelligkeit stehen dabei im Vordergrund – der Computer soll sofort nach dem Einschalten startbereit sein. Für den Rivalen Microsoft eine echte Herausforderung, zumal Google bereits mit großen PC-Herstellern über eine Vorinstallierung des Systems auf den Rechnern verhandelt.

Doch immerhin: Die neue Microsoft-Suchmaschine Bing liegt bereits einen Monat nach ihrem Start auf Rang 13 der beliebtesten Internetseiten in den USA. Und der Marktanteil wächst sicher weiter – auf Kosten des Suchmaschinenmarktführers Google. Doch auch und besonders in der Informationstechnologie gilt die alte Weisheit: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »

Ängstliche Banken

Juli 4th, 2009 von Helmut_Reich

Das umstrittene Bad-Bank-Gesetz wurde nun vom Bundestag beschlossen, doch für die deutschen Geschäftsbanken kehrt keine Ruhe ein. Ganz im Gegenteil, der Druck wächst weiter, denn die Institute geben die niedrigen Zinssätze der Europäischen Zentralbank nicht an ihre Kunden weiter, vor allem mittelständische Firmen leiden darunter. Trotz aller stützender Staatsmaßnahmen droht dadurch eine sich weiter verschärfende Kreditklemme.

Mehrere hochranginge Regierungspolitiker kritisierten an diesem Wochenende die derzeitige Kreditvergabepraxis der Banken. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kündigt sogar Maßnahmen an, die es bisher noch nicht gegeben habe. Die Einführung von Zwangskrediten scheint dabei nicht mehr ausgeschlossen, genauso wie die Möglichkeit von Direktkrediten der Bundesbank an Unternehmen.

Steinbrück bemängelt, dass die Banken das Geld, welches sie momentan zum Zinssatz von nur einem Prozent erhalten, vor allem in den Handel mit Devisen, Aktien oder Rentenpapieren stecken - anstatt es als Kredite weiterzugeben. Auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kritisiert, dass die niedrigen Zinsen hauptsächlich zur Sanierung der eigenen Bilanzen genutzt werden.

Fakt ist: Momentan sind die Auflagen und Sicherheiten, die Banken für einen Kredit verlangen, einfach zu hoch und oft auch zu bürokratisch. Dies könnte dazu führen, dass sich die Wirtschaftskrise im Laufe des Jahres weiter verschärft. Das kann und darf nicht im Interesse der Banken sein, die ja gerade mit Milliarden von Staatsgeldern gerettet wurden. Wo ist also die große Bank, die ihre Ängstlichkeit über Bord wirft und Firmenkredite zu fairen Konditionen anbietet – bevor sie möglicherweise auch dazu verpflichtet wird?

Geschrieben in Allgemein | 2 Kommentare »