September 26th, 2009 von
Helmut_Reich
Die ehemalige Industriestadt Pittsburgh an der US-Ostküste hat sich zu einem Hightech-Standort gemausert. Früher Stahlmetropole, dominieren heute vor allem Unternehmen aus den Bereichen Biotech und Gesundheit. Ein spannender Ort also, der für Strukturwandel und Veränderung steht. Wie geschaffen für das Treffen der selbst ernannten 20 wichtigsten Staaten der Welt.
Dass sich auch das globale Wirtschaftssystem wandeln muss, ist spätestens seit der Finanzkrise allen Beteiligten klar. Die hohen Erwartungen an die Staats- und Regierungschefs wurden im Vorfeld aber auch durch die leidige Erfahrung vergangener Treffen getrübt, bei denen meistens nur wenig herausgekommen ist. Nun ist der Handlungsbedarf jedoch so groß, dass konkrete Resultate nicht erneut ausbleiben durften.
Das wichtigste Ergebnis: Die G20-Länder sehen sich als neue Weltregierung, die künftig gemeinsam den globalen Kurs für alle wichtigen Wirtschaftsfragen abstecken möchte. Zunächst einmal bedeutet das wohl den Abschied der bisher dominierenden G7- und G8-Gruppen. Endlich dürfen nun auch die immer noch als Schwellenländer bezeichneten Wachstumsriesen China und Indien mitbestimmen. Das ist sicherlich ein Fortschritt.
Hinzu kommen die Aufräumarbeiten nach der Krise: Schärfere Regeln für die Finanzmärkte, mehr Transparenz für alle Marktteilnehmer und ein höheres Eigenkapital der Banken lauten die Forderungen. Starkes und stetiges Wachstum soll dabei weiterhin das gemeinsame Ziel sein. Immerhin ist der deutliche Einbruch der Volkswirtschaften mittlerweile gestoppt, viele Länder melden ein Ende der Rezession, auch die Börsenkurse befinden sich im Aufwind.
Vielleicht nur eine trügerische Ruhe, doch für das Gipfeltreffen in Pittsburgh sicher ein ideales Umfeld. Gastgeber Barack Obama zeigte sich zufrieden. Die Weltwirtschaft sei dank der Konjunkturprogramme der G20-Staaten vor dem Abgrund gerettet, stellte der US-Präsident fest. Mahnte aber auch, künftig besser aufzupassen, dass sich Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Entscheidend ist dabei jedoch das Verhalten der einzelnen Staaten – denn Gesetze machen kann die neue Weltregierung nicht.
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September 16th, 2009 von
Helmut_Reich
Ein Jahr nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und der damit offen zu Tage getretenen Wirtschaftskrise ist es für viele an der Zeit, Bilanz zu ziehen: Welche Banken haben diese schwere Phase solide überstanden und welche Institute leiden noch immer unter den Folgen der Misere am Finanzmarkt?
Eine Studie beantwortet nun die Frage, wie die wichtigsten Banken in Deutschland im Vergleich abgeschnitten haben. Im Untersuchungszeitraum der vergangenen zwei Jahre liegen die Privatinstitute dabei deutlich vor den öffentlich-rechtlichen Banken. Diese mussten im Schnitt nicht nur höhere Verluste verbuchen, es hapert laut der Studie des Volkswirtschaftsprofessors Marcel Thum auch an der Kompetenz der Aufsichtsräte.
Mangelnde Erfahrung im Finanzbereich ist der Hauptkritikpunkt an der schwachen Bilanz der Kontrolleure der öffentlich-rechtlichen Banken. Zu oft geben demnach politische Gründe den Ausschlag für die Besetzung eines Chefaufseherpostens. Die bösen Folgen sind bekannt und besonders bei den Landesbanken noch immer beinahe täglich in den Medien zu bestaunen.
Erkenntnisreich ist aber auch das zweite wesentliche Ergebnis der Untersuchung: Umso höher die Vergütungen der Vorstände, desto höher fallen meist auch die Verluste aus. Damit kann eigentlich nur die Forderung einhergehen, die Topbanker in Zukunft leistungsabhängiger zu bezahlen. In einem erfolgreichen Geschäftsjahr dürfen die viel gescholtenen Boni dann auch mal höher ausfallen, im gegenteiligen Fall sollte jedoch schlechte Arbeit auch in der Führungsetage dementsprechend niedrig entlohnt werden.
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September 10th, 2009 von
Helmut_Reich
Der tägliche Goldpreis findet normalerweise kaum noch Beachtung. Nur wenn er besonders tief gefallen oder besonders hoch geklettert ist. So wie in diesen Tagen. Der Preis für eine Feinunze Gold hat den Rekord ins Visier genommen. 1032,70 Dollar für die 31,1 Gramm des Edelmetalls ist der bisherige Höchststand – erreicht im März 2008. Aktuell pendelt der Preis um die 1000-Dollar-Marke.
Oft ist ein hoher Goldpreis gleichbedeutend mit einer schwachen Börse, die meisten Kurse befinden sich dann im Keller. Auf instabile Aktienmärkte folgt also die Flucht der Anleger ins Gold – so steht es in den Lehrbüchern und so zeigt es die Erfahrung der vergangenen Baissen. Doch dieses Mal ist die Situation eine andere: Die Börse hat ihre schwache Phase schon längst wieder hinter sich gelassen, die Kurse steigen seit Monaten deutlich.
Für diese Goldrally muss es also andere Gründe geben. Und diese finden sich schnell:
1. Gold als Vorsorge vor einer möglichen Inflation
2. Der starke Rückgang des Dollarkurses
3. Goldminengesellschaften decken sich zur Absicherung mit dem Edelmetall ein
Doch Experten rechnen bereits wieder mit einem Rückgang des Goldpreises, die Skepsis gegenüber dem derzeitigen Höhenflug überwiegt. So könnten wohl nur eine plötzlich stark anziehende Inflation oder kräftig fallende Börsenkurse den Preis für Gold auf dem derzeitigen Niveau halten oder gar zu einem neuen Rekord führen. Realistischer scheint jedoch eine deutliche Korrektur.
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September 2nd, 2009 von
Helmut_Reich
Verliert ein normaler Arbeitnehmer nach einem halben Jahr seinen Job, dann heißt es meistens: Die Probezeit wurde nicht bestanden – und tschüs! Eine Abfindung oder wenigstens einen Anspruch auf Arbeitslosengeld? Fehlanzeige. Nicht so jedoch bei dem Unternehmen Arcandor, das in dieser Woche Insolvenz anmelden musste. Vorstandschef Karl-Gerhard Eick darf auch nach sechs Monaten wieder gehen, doch er bekommt eine saftige Entschädigung.
Seit März war Eick für den Handels- und Touristikkonzern tätig, geplant war seine Chefrolle eigentlich für volle fünf Jahre. Nun das schnelle Aus und eine Gehaltszahlung von satten 15 Millionen Euro – so wie eigentlich für den kompletten Zeitraum geplant. An dem Manager perlt jede Kritik daran ab, sogar die von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die für diese Summe auch kein Verständnis zeigt. Immerhin will Eick ein Drittel der Summe spenden.
Ironie dieser Geschichte: Die 15 Millionen Euro erhält der gescheiterte Arcandor-Chef nicht von dem Konzern selbst, sondern vom Großaktionär Sal. Oppenheim. Das einst renommierte Bankinstitut befindet sich – auch wegen der Arcandor-Pleite - selbst in Schwierigkeiten und musste sich zur Rettung kürzlich in die Arme der einst von den Privatbankern belächelten Deutschen Bank begeben. Doch das fürstliche Gehalt aus dem Fünfjahresvertrag hatte Sal. Oppenheim Eick noch vor seinem Amtsantritt garantiert.
Ganz andere Probleme hat derweil die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz. Die ehemals steinreiche Arcandor-Großaktionärin hatte bereits vor einigen Wochen über die ihr drohende Armut geklagt. Viele hielten dies für übertrieben, doch tatsächlich scheint sie wirklich mit ihrem Privatvermögen zu haften. Firmenbeteiligungen, Häuser und Aktien – alles weg. Doch vielleicht gibt sich Karl-Gerhard Eick ja einen Ruck und greift der Ex-Millionärin finanziell unter die Arme.
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