Hoch gebaut, tief gefallen

November 26th, 2009 von Helmut_Reich

Jahrelang stand das Emirat Dubai für den Boom der Weltwirtschaft. Spektakulär anmutende Hochhäuser und künstlich angelegte Inseln in Palmenform waren die Wahrzeichen für diesen Aufschwung. Selbst die Finanzkrise hinterließ in diesem Bild zunächst nur ein paar kleine Dellen. Aufkommendes Krisengerede wurde von der Regierung meist schnell abgewiegelt.

Im Vergleich zu der Situation in manch anderen Staaten ging es den Ölscheichs tatsächlich noch lange relativ gut, doch der Immobilienboom begann schon in den vergangenen Monaten deutlich sichtbar zu bröckeln. Nun sollen die meisten spektakulären Bauprojekte gestoppt sein. Viele Unternehmen in Dubai klagen über teils massive Finanzprobleme, darunter auch das staatseigene Firmenkonstrukt Dubai World – der Erbauer der berühmten Palmeninseln.

Dubai mit nur etwas mehr als einer Millionen Einwohnern droht nun sogar zu einer Gefahr für die sich gerade wieder erholende Weltwirtschaft zu werden. Von einer möglichen Rückkehr der Finanzkrise ist bereits die Rede. Auch die Börsen reagierten auf die jüngsten Negativnachrichten zunächst pessimistisch, weltweit gingen die Kurse deutlich zurück. Vor allem die Werte von Banken verloren überdurchschnittlich. Aber auch Unternehmen, die geschäftlich stark mit Dubai verbunden sind – darunter einige deutsche Automobilhersteller.

Die Regierung in Dubai zeigt sich dagegen weiter optimistisch und erwartet für das kommende Jahr bereits wieder Wachstum. Doch mit der Bitte um Zahlungsaufschub hat das Emirat an den internationalen Finanzmärkten eine große Unruhe ausgelöst. Nur schwer wird sich diese Situation stabilisieren können, die Gefahr eines Dominoeffekts im arabischen Raum ist nicht auszuschließen.

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Keiner zieht die Notbremse

November 20th, 2009 von Helmut_Reich

Sonnenschein, knapp 20 Grad, Marienkäfer krabbeln am Fenster, Menschen sitzen lesend auf Parkbänken oder genießen ein Eis in der Mittagspause. Was sich anhört wie ein schöner Frühlingstag findet genau heute in Deutschland statt – an einem 20. November, kurz vor Eröffnung der Weihnachtsmärkte. Normalerweise dominieren um diese Jahreszeit Nachtfröste, Glätte, Schneeregen und Nebel das Wetter, doch das alles scheint weit weg.

Die Klimakatastrophe soll daran schuld sein. Doch hierzulande wirkt der Durchschnittsbürger eher erfreut über diese offensichtliche Änderung des Klimas, von einer Katastrophe spricht jedenfalls keiner. Doch diese findet woanders statt: Die abschmelzenden Polkappen, der deutliche Anstieg des Meeresspiegels in tiefer gelegenen Küstenregionen mit verheerenden Fluten und lange Trockenperioden in vielen Gebieten der Erde lassen sich nicht mehr verleugnen.

Im Dezember gibt es deshalb einen Klimagipfel. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen treffen sich die Verantwortlichen dieser Welt zur Rettung ebendieser. Doch schon vor Beginn dieser Veranstaltung hat sich Ernüchterung breit gemacht, denn der angestrebte Weltklimavertrag wird scheitern. Statt eines konkreten Abkommens wieder nur Willenserklärungen - ein weiterer Rückschlag für den dringend notwendigen Klimaschutz.

Es ist zu befürchten, dass die Industriestaaten – und davon gibt es immer mehr – erst dann aufwachen, wenn es zu spät ist. Das mag wohl in der Natur des Menschen liegen. Doch das jetzige Handeln ist einfach zu zaghaft, die Sünder in der weltweiten Klimabilanz müssen stärker zur Kasse gebeten werden. Sonst könnte es schon bald für alle ein böses Erwachen aus den Frühlingsträumen geben.

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Der Rat der Weisen

November 13th, 2009 von Helmut_Reich

Wenn eine Privatperson durch besondere Umstände einen großen Berg Schulden anhäuft, dann kommt dieser Mensch im Normalfall nicht auf Idee, freiwillig auch noch seine Einnahmen zu verringern. Anders verhält es sich offensichtlich bei Staatshaushalten, insbesondere hierzulande. Durch Finanzkrise und Bankenmisere verursacht, steigt die Verschuldung Deutschlands enorm an. Und trotzdem sollen die Steuern gesenkt werden.

Das hat die neue Bundesregierung zumindest den Wählern versprochen und auch nach den Wahlen in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt. Mindereinnahmen in deutlich zweistelliger Milliardenhöhe wären die Folge der Bürgerentlastungen. Tragen soll sich dies durch einen zu erhoffenden Aufschwung – ein durchaus wackeliges Konstrukt.

Das sieht auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage so. Die auch gerne als „Wirtschaftsweisen“ bezeichneten Ökonomen kritisieren die Pläne der Regierung auf mehr als 400 Seiten ungewohnt stark - es fallen Worte wie unseriös, mutlos und nichtssagend. Beauftragt werden die Weisen übrigens von der Regierung selbst, dementsprechend kühl nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel das Gutachten heute in Empfang.

Die fünf Mitglieder des Rats fordern darin eine möglichst rasche Konsolidierung des Staatshaushalts. Dazu empfehlen sie neben deutlichen Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben auch die Erhöhung der Steuern – also genau das Gegenteil der Koalitionspläne. So wird Deutschland in den kommenden Jahren deutlich über der erlaubten Verschuldungsrate der Europäischen Kommission liegen – es droht ein Defizitverfahren.

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Stählerne Hoffnung

November 6th, 2009 von Helmut_Reich

Das Geschacher um den Automobilhersteller Opel bestimmt auch diese Woche die Schlagzeilen der Wirtschaftsmedien. Fast verdrängt wurde dadurch eine andere, ebenso interessante Meldung. Der angeschlagene Modekonzern Escada scheint gerettet, seine Zukunft liegt jedoch in den Händen der indischen Mittal-Familie – bisher eher bekannt für ihr Wirken in der Stahlbranche.

Escada stand lange Zeit für Luxusmoden, viele prominente Frauen trugen die international bekannte Marke. Doch das Unternehmen ging zuletzt nicht mehr mit der Mode, die Kollektionen wurden in der Branche zunehmend als langweilig angesehen. Verluste und Schulden häuften sich, im Sommer musste der Konzern dann Insolvenz anmelden. Mehrere Unternehmen und Investoren waren am Einstieg bei Escada interessiert, das Bieterrennen machten nun etwas überraschend die Inder.

Der bekannte Stahlunternehmer und Multimilliardär Lakshmi Mittal ist sicherlich als branchenfremd zu bezeichnen, doch seine Schwiegertochter Megha, eine ehemalige Investmentbankerin, soll demnächst im Aufsichtsrat bei Escada das Sagen haben. Unternehmenschef bleibt allerdings Bruno Sälzer, der die Mittal-Familie als „Wunschpartner“ bezeichnete.

Auch an Sälzers Konzept einer breiteren Aufstellung soll vorerst festgehalten werden. Fraglich allerdings, ob die Marke und damit das Traditionsunternehmen langfristig zu retten sind. Zu schwer wiegen die strategischen Fehler der Vergangenheit, zu stark tobt der Preiskampf auf dem Modemarkt. Doch vielleicht kann Escada mit seinen neuen Eigentümern ja den großen indischen Markt erobern.

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