Das Geschacher um den Automobilhersteller Opel bestimmt auch diese Woche die Schlagzeilen der Wirtschaftsmedien. Fast verdrängt wurde dadurch eine andere, ebenso interessante Meldung. Der angeschlagene Modekonzern Escada scheint gerettet, seine Zukunft liegt jedoch in den Händen der indischen Mittal-Familie – bisher eher bekannt für ihr Wirken in der Stahlbranche.

Escada stand lange Zeit für Luxusmoden, viele prominente Frauen trugen die international bekannte Marke. Doch das Unternehmen ging zuletzt nicht mehr mit der Mode, die Kollektionen wurden in der Branche zunehmend als langweilig angesehen. Verluste und Schulden häuften sich, im Sommer musste der Konzern dann Insolvenz anmelden. Mehrere Unternehmen und Investoren waren am Einstieg bei Escada interessiert, das Bieterrennen machten nun etwas überraschend die Inder.

Der bekannte Stahlunternehmer und Multimilliardär Lakshmi Mittal ist sicherlich als branchenfremd zu bezeichnen, doch seine Schwiegertochter Megha, eine ehemalige Investmentbankerin, soll demnächst im Aufsichtsrat bei Escada das Sagen haben. Unternehmenschef bleibt allerdings Bruno Sälzer, der die Mittal-Familie als „Wunschpartner“ bezeichnete.

Auch an Sälzers Konzept einer breiteren Aufstellung soll vorerst festgehalten werden. Fraglich allerdings, ob die Marke und damit das Traditionsunternehmen langfristig zu retten sind. Zu schwer wiegen die strategischen Fehler der Vergangenheit, zu stark tobt der Preiskampf auf dem Modemarkt. Doch vielleicht kann Escada mit seinen neuen Eigentümern ja den großen indischen Markt erobern.

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