Anlage mit Geldzurückgarantie

Juni 23rd, 2009 von Helmut_Reich

Mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers beschleunigte sich im September des vergangenen Jahres die Wirtschaftskrise weltweit. Doch was für viele erst Monate später durch fehlende Aufträge oder eine Gefährdung des Arbeitsplatzes spürbar wurde, war für einige Anleger bereits der Beginn eines schnellen persönlichen Finanzfiaskos – mit dem nahezu kompletten Verlust des angelegten Geldes.

Eine kleine Klagewelle ist mittlerweile auf diejenigen Banken zugerollt, die ihren Kunden Lehman-Zertifikate angeboten haben. Zehntausende Kunden hatten damals zugegriffen und insgesamt mehrere hundert Millionen Euro investiert – im Glauben daran, dass es sich bei den Zertifikaten um eine sichere Anlage handelt. An die Möglichkeit eines Totalverlustes dachten nur die wenigsten.

Heute nun, rund ein dreiviertel Jahr später, hat ein Gericht einem geprellten Anleger den vollen Ersatz seines finanziellen Schadens durch Lehman-Zertifikate zugesprochen. Zahlen soll das in diesem Fall die Hamburger Sparkasse, begründet wurde das Urteil mit falscher Beratung. Mit einem Verweis auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs soll die Nachweispflicht nun teilweise auch bei der jeweiligen Bank liegen.

Die Hamburger Sparkasse will zwar Berufung gegen das Urteil einlegen, doch der Richterspruch könnte wegweisend sein. Viele weitere geschädigte Lehman-Anleger werden nun Mut schöpfen und ebenfalls gegen ihr Finanzinstitut klagen. Doch noch weitreichender könnten die Folgen für die Kundenberatung in den Banken sein – in letzter Konsequenz vielleicht sogar weg vom provisionsgesteuerten Produktvertrieb hin zu einer unabhängigeren Beratung?

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Zwei schrecklich nette Familien

Juni 17th, 2009 von Helmut_Reich

Die heile Welt bei Porsche gehört der Vergangenheit an. Bisher lagen alle Stammaktien in den Händen der beiden Familien Porsche und Piëch. Doch das könnte sich nun schnell ändern. Nachdem man sich mit der geplanten VW-Übernahme übernommen hat und die Wirtschaftskrise ihr Übriges beiträgt, wird dringend ein Investor gesucht.

Im Gespräch ist der Scheich des Emirats Katar. Dieser strebt eine Sperrminorität an - 25 Prozent plus eine Aktie. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking scheint mit diesem Geschäft einverstanden zu sein, doch nun gibt es Widerstände im Familien-Clan. Ferdinand Piëch will, dass statt einer Fusion VW Porsche ganz übernimmt - als Aufsichtsratschef würde er damit weiter an Macht gewinnen.

Doch selbst bei einem Einstieg der arabischen Investoren, der einige Milliarden Euro kosten würde, wären die Probleme Porsches nicht gelöst. Man wäre weiterhin kräftig verschuldet und die Frage, wie aus dem Zusammenschluss des Massenherstellers VW mit dem Sportwagenhersteller Porsche ein integrierter Automobilkonzern werden soll, weiter ungeklärt.

Und welchen Einfluss könnten die Scheichs in Zukunft nehmen? Schmilzt die Macht der beiden Autobauerfamilien? Porsche – und damit auch VW - scheinen vor umwälzenden Neuerungen zu stehen. Doch daran trägt sicher nicht nur die Finanzkrise Schuld, sondern vor allem auch die Fehler des Managements, das in Boom-Zeiten zu hoch gepokert hat.

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47 Millionen Euro pro Bein

Juni 11th, 2009 von Helmut_Reich

Die Wirtschaftskrise bestimmt seit Monaten die Schlagzeilen. Massenentlassungen, Firmenpleiten und Staatsbankrotte – ein Ende der Misere lässt sich derzeit höchstens erahnen. Doch plötzlich scheint all dies in weiter Ferne zu liegen, wenn man die Meldung des Tages liest: Real Madrid kauft den Fußballspieler Cristiano Ronaldo für 94 Millionen Euro – das ist mit deutlichem Abstand der bisher teuerste Transfer der Fußballgeschichte.

Über diese Summe kann sich nun Ronaldos alter Arbeitgeber Manchester United freuen. Zuvor hatte Real bereits den Superstar Kaká vom AC Mailand für ebenfalls recht stolze 65 Millionen Euro verpflichtet. Die Mailand-Anhänger protestierten zwar gegen diesen Wechsel, doch selbst Vereinspräsident Silvio Berlusconi konnte den Brasilianer nicht halten.

Doch woher kommt das viele Geld in wirtschaftlich schweren Zeiten? Möglich macht dies der Präsident der Madrilenen, Florentino Pérez. Auch in seiner zweiten Amtszeit, nach einer dreijährigen Unterbrechung, arbeitet er an seinem Traum einer „galaktischen“ Mannschaft. 300 Millionen Euro will der Bauunternehmer insgesamt für neue Spieler ausgeben. Auch Franck Ribéry von Bayern München steht auf seiner spektakulären Wunschliste.

Dass besonders die Baubranche stark von der Krise getroffen wurde, scheint Pérez nicht zu stören. Ganz im Gegenteil: Er investiert, scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste. Mit den neuen Stars will er endlich die internationale Titelflaute von Real Madrid beenden. Doch der Unternehmer sollte wissen, dass auch Geld nicht immer genug Tore schießt.

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Einstürzende Kaufhäuser

Juni 3rd, 2009 von Helmut_Reich

Aus den Fußgängerzonen deutscher Groß- und Kleinstädte sind sie nicht mehr wegzudenken - dachte man bis vor kurzem. Doch nun stehen Warenhäuser wie Hertie und Woolworth vor dem Aus. Handel bedeutet Wandel, heißt eine dazu passende Branchenweisheit. Auch Karstadt könnte es treffen, bei der wohl bekanntesten deutschen Kaufhauskette wird die Lage immer bedrohlicher.

Der Mutterkonzern Arcandor hat 650 Millionen Euro Staatsbürgschaft beantragt und einen Kredit in Höhe von 200 Millionen Euro. Zusätzlich demonstrieren Karstadt-Beschäftigte und sammeln bei den Kunden Unterschriften für den Erhalt der insgesamt rund 50.000 Arbeitsplätze. Es geht dabei nicht nur um die Kaufhauskette, sondern auch um den Versandhandel Quelle.

Doch Nothilfe aus dem Deutschlandfonds wird es wahrscheinlich nicht geben, denn dazu müsste der ehemals unter KarstadtQuelle firmierende Unternehmensbereich erst durch die Wirtschaftskrise in Schieflage geraten sein – viele Branchenexperten und Politiker teilen diese Auffassung nicht. Zulange leiden die Warenhäuser schon unter der Internetkonkurrenz, der Anziehungskraft von Fachketten und nicht zuletzt unter gravierenden Managementfehlern.

Doch steht nicht eigentlich Arcandor selbst in der Pflicht? Der Konzern besitzt nicht nur schwächelnde Warenhäuser, sondern auch den profitablen Reisekonzern Thomas Cook. Und der könnte bei einem Verkauf doch den einen oder anderen Euro bringen. Auch andere Wege sind denkbar, beispielsweise eine Fusion mit dem Erzrivalen Kaufhof, der zum Metro-Konzern gehört.

Nächste Woche will der Lenkungsausschuss über Arcandors Antrag auf Hilfe aus dem begehrten Notfonds entscheiden. Es geht dabei nicht nur um eine mögliche weitere Verödung deutscher Fußgängerzonen, sondern auch um die Glaubwürdigkeit der Politik.

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