Mai 26th, 2009 von
Helmut_Reich
Hauptversammlung der Deutschen Bank heute in Frankfurt am Main: Die große Josef-Ackermann-Show. Der Vorstandsvorsitzende, dessen Vertrag vor wenigen Wochen entgegen aller Erwartungen noch einmal verlängert wurde, lässt sich wieder einmal feiern. Und er verteidigt sein ehrgeiziges Renditeziel: 25 Prozent – Wirtschaftskrise hin oder her.
Ackermann setzt dabei auf „ein überzeugendes Geschäftsmodell und eine starke Marktposition“. Übermäßige Risiken gehe man dagegen nicht ein. Und deshalb brauche man auch keine Staatshilfe. Soweit so gut. Doch ist die Deutsche Bank wirklich ein strahlender Krisengewinner?
Indirekt hat die Bank nämlich auch von Staatsgeldern profitiert – durch das Eingreifen der Regierungen in diversen Ländern. Denn ein noch stärkerer Zusammenbruch des Finanzsystems hätte sicherlich auch die Deutsche Bank mit in die Tiefe gerissen. Und ein Großteil des jetzt eingefahrenen Milliardengewinns kam nur zustande, da viele Unternehmen wegen der Krise dringend Geld brauchten. Gute Zahlen trotz oder etwa dank der Krise – das ist hier die Frage.
Andere Probleme der Deutschen Bank geraten so in den Hintergrund: Auch bei Deutschlands Vorzeigefinanzinstitut scheint es eine Spitzelaffäre zu geben, einige Führungskräfte wurden laut Medienberichten offenbar ausgespäht. Der gute Ruf der Bank ist gefährdet, Ackermann kündigt Konsequenzen an. „Null Toleranz“ verkündete er heute in dieser Angelegenheit. Doch vorerst leuchten noch die Milliardengewinne über der Deutschen Bank.
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Mai 19th, 2009 von
Helmut_Reich
Mit den Banken hatte es begonnen. Finanzmarktstabilisierungsfonds - Soffin für alle, die wollen. Doch mittlerweile rufen auch Unternehmen aus verschiedenen anderen Branchen nach Staatshilfe. Begehrtes Ziel der angeschlagenen Firmen ist der Deutschlandfonds. Insgesamt warten hier 115 Milliarden Euro auf „Bedürftige“ – große Namen wie Porsche, Opel, Schaeffler und Infineon stehen in der Warteschlange oder auch Arcandor mit seinen ineffizienten Karstadt-Warenhäusern.
Diese Hilfe ist allerdings umstritten. Denn sie soll vor allem bei den Unternehmen landen, die durch die Wirtschaftskrise vorübergehend in Schwierigkeiten geraten sind – also gerne bei Firmen aus dem Mittelstand, die eigentlich finanziell gesund sind.
Doch nun läuft das Ganze in eine völlig andere Richtung: Paradebeispiel ist der Porsche-Konzern, vor kurzem noch so glänzend dastehend wie ein neues Modell auf einem Autosalon. Doch mit der angestrebten VW-Übernahme verhob sich der Sportwagenhersteller gewaltig und steht nun vor einem Scherbenhaufen.
Wie soll der Staat also entscheiden, welche Unternehmen der Realwirtschaft er unterstützen und womöglich retten soll? Nach Systemrelevanz? Oder lieber nach Bekanntheit? Oder etwa doch das Gießkannenprinzip? Große Namen aus der deutschen Wirtschaft sitzen im Lenkungsrat und werden Entscheidungen fällen. Daumen hoch oder runter – hoffentlich immer im Interesse des Steuerzahlers. Ach ja, Wahlen stehen natürlich auch noch vor der Tür.
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Mai 13th, 2009 von
Helmut_Reich
Lange wurde seit dem Ausbruch der Finanzkrise darüber diskutiert, nun ist auch in Deutschland der Weg frei für die so genannten Bad Banks. Es gilt, problematische Wertpapiere mit einem Volumen von mehr als 200 Milliarden Euro zu beseitigen. Die Bundesregierung hat in ihrem heutigen Gesetzesentwurf ein Modell konstruiert, das den Banken die Entsorgung ihrer Giftpapiere erleichtert.
Für deren Auslagerung in Zweckgesellschaften erhalten die Geldhäuser dann staatliche Garantien. So soll eine weitere Ausweitung der Krise verhindert werden. Nach dem Tausch des schlechten „bösen“ Kapitals gegen gutes Kapital sollen sich die Geldinstitute wieder untereinander vertrauen. Neue Wertberichtigungen werden so erst einmal ausgeschlossen.
Allerdings müssen die Banken dafür zahlen: Gebühren für die Garantieleistungen und außerdem Ausgleichsbeträge – bis zu 20 Jahre lang. Mögliche Gewinne der Banken werden dadurch dauerhaft reduziert. Zahlen müssen im Zweifel die Aktionäre. Doch die öffentlichen Haushalte werden durch diese Regel nicht belastet – praktisch für die Politiker der Großen Koalition so kurz vor der Bundestagswahl. Der Haken: Eine andere Regierung könnte das Gesetz später wieder ändern – zum Nachteil des Steuerzahlers.
Mit den Bad Banks werden die Risiken der Giftpapiere also nicht beseitigt, sie schlummern weiter vor sich hin. Investoren und damit dringend benötigtes Eigenkapital werden abgeschreckt. Fraglich ist, ob die betroffenen Finanzinstitute die Bad Banks unter diesen Umständen überhaupt annehmen möchten? Zumindest bei den Privatbanken darf das bezweifelt werden.
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Mai 7th, 2009 von
Helmut_Reich
Opel retten oder fallen lassen – die Diskussionen um den bekannten Automobilhersteller aus Rüsselsheim gehen seit Wochen in alle Richtungen. Die Lage ist verzwickt, zu groß ist die Abhängigkeit vom amerikanischen Mutterkonzern General Motors. Nun soll Hilfe von außen kommen, entweder durch den italienischen Fiat-Konzern oder den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna.
Fiat-Chef Sergio Marchionne hat sich gerade erst den US-Pleiteaspiranten Chrysler einverleibt, nun also auch noch Opel – da stellt sich die Frage, ob sich das selbst nicht gerade auf soliden Füßen stehende Unternehmen mit diesen Weltkonzern-Plänen nicht übernimmt. Darüber hinaus bringt ein Zusammengehen mit Opel eine Menge Überschneidungen vor allem bei den Kleinwagen mit sich – die langfristigen Folgen für Standorte und Belegschaften liegen auf der Hand.
Bleibt die Alternative Magna. Eine völlig neue Variante auf dem Automobilmarkt, denn erstmals würde ein Autozulieferer einen großen Hersteller kaufen. Doch Magna will selbst nur mit 20 Prozent einsteigen und sucht daher weitere Partner, vor allem in Russland. Aber vielleicht kommen trotz Wirtschaftskrise doch noch Finanzinvestoren bei Opel zum Zuge? Diese haben sich bisher deutlich zurückgehalten.
Sicher ist derzeit nur, dass „Die Toten Hosen“ ihre Hilfe verweigert haben. Für ein Benefizkonzert stehe die Punkrockband, die im Jahr 1983 mit einem Album namens „Opel-Gang“ berühmt wurde, nicht zur Verfügung. Sänger Campino sieht sich und seine Mannen nicht mit dem Autobauer verbunden. Es wäre natürlich finanziell nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein gewesen, allerdings mit einem hohen Symbolcharakter.
Immerhin laufen die Geschäfte in Rüsselsheim dank der Abwrackprämie wieder besser. Opel konnte seinen Marktanteil in Deutschland im April auf beachtliche zehn Prozent steigern. Nun heißt es für das Management, die beste Lösung für das angeschlagene Traditionsunternehmen zu finden. Denn schon am 1. Juni läuft das Ultimatum der US-Regierung für General Motors ab. Bis dahin soll es einen Sanierungsplan geben. Und dann sollten auch die Weichen für Opels Zukunft gestellt sein - wenn es denn eine gibt.
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