Die Vereinfachung des deutschen Steuersystems haben sich schon viele Politiker und Finanzexperten vorgenommen, herausgekommen ist bislang wenig. Zu stark sind der Einfluss diverser Lobbygruppen und die Angst vor Verlusten bei den nächsten Wahlen. So wachsen die vielen Regeln, Vorschriften und Ausnahmen weiter zu einem nur noch von Experten zu durchschauenden Geflecht.

Das wohl populärste Beispiel für diesen Irrsinn bietet die Mehrwertsteuer, die den Austausch von Leistungen besteuert. Im Normalfall sind in Deutschland 19 Prozent Umsatzsteuer zu zahlen, doch die Zahl der Ausnahmen steigt. Vor über 40 Jahren wurde ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz eingeführt. Dieser beträgt derzeit 7 Prozent. Eine Regel, die bei bestimmten Produkten für den täglichen Bedarf noch Sinn machte, mittlerweile aber voller Widersprüche und Ungerechtigkeiten steckt.

Der Bundesrechnungshof hat nun in einem Sonderbericht gefordert, jede einzelne der zahlreichen Vergünstigungen zu hinterfragen. Die Liste der Ausnahmen ist lang und skurril. Ein Luxusgut wie Trüffel gilt als Paradebeispiel für nicht nachvollziehbare Steuerermäßigungen. Aber auch Taxifahrten, Schnittblumen und Hundefutter werden aus unerfindlichen Gründen begünstigt.

In die Kritik ist auch der Steuerbonus für Hotelübernachtungen geraten – kürzlich erst eingefordert von einer Partei, die ansonsten gerne und laut für die Vereinfachung des Steuersystems eintritt. Doch selbst wenn es hier zu einem Rückzieher kommen sollte, wäre das noch lange nicht genug. Denn insgesamt verzichtet der Staat durch die vielen Ausnahmen bei der Mehrwertsteuer auf rund 20 Milliarden Euro im Jahr.

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