Vor ein paar Jahren hat sich das Energieunternehmen RWE den Claim „VoRWEggehen“ verpasst. Das soll eine Idee des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann gewesen sein. Dafür gab es damals sanften Spott. Mittlerweile ist dieser jedoch in Häme umgeschlagen, denn der Konzern marschiert dem Zeitgeist nicht nur gehörig hinterher, er befindet sich nach Meinung vieler sogar auf dem Weg in die falsche Richtung.

Denn RWE hält auch nach der Atomkatastrophe von Japan unbeirrt an der Kernenergie fest. Im Gegensatz zu einigen ursprünglich atomfreundlichen Parteien und auch anderen Energiekonzernen, bei denen zumindest ansatzweise ein Umdenken eingesetzt zu haben scheint. Nicht so bei Großmann & Co, denn auf der heutigen Hauptversammlung in Essen hieß es: „Wir betreiben Kernkraftwerke und stehen dazu.“

Dementsprechend turbulent ging es bei dem Aktionärstreffen zu. Ziehen sich diese Veranstaltungen oftmals eher hin mit drögen Reden und vielen Zahlen für Experten, gab es diesmal schon zu Beginn Protest gegen den Vorstand. Und dieser kam nicht nur aus den Reihen bekannter Atomkraftgegner, sondern auch von Aktionärsvertretern. Zu arrogant traten die Verantwortlichen offenbar auf, zu wenig kompromissbereit zeigten sie sich.

Immer stärker erhärtet sich dabei der Verdacht, dass RWE keinen funktionierenden Alternativplan abseits seiner wohl ausschließlich auf Profit ausgerichteten Atompolitik hat. Für ein Management, das eigentlich bei Energiefragen voraus blicken soll, ja vorweg gehen wollte, ist das allerdings ein Armutszeugnis. Bei RWE kann es daher in diesen Tagen nur heißen: Wer zu spät kommt, den bestrafen die Aktionäre.

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