Gekommen um zu bleiben

August 26th, 2009 von Helmut_Reich

Ben Bernanke ist ein Krisenspezialist. Als Wirtschaftsprofessor hat er sich ausführlich mit den Ursachen und Folgen der großen Depression im Jahr 1929 befasst. Daher war er in diesen neueren Krisenzeiten wahrscheinlich genau der richtige Mann für die amerikanische Notenbank, an deren Spitze er bereits seit dem 1. Februar 2006 steht.

Nun hat US-Präsident Barack Obama den Ökonomen für eine zweite vierjährige Amtszeit nominiert. Diese wird im Februar des kommenden Jahres beginnen, sofern sie vom Senat bestätigt wird, was jedoch nur eine Formsache sein dürfte. Obama begründete seine Entscheidung unter anderem mit der Ruhe, der Weisheit und dem Mut, den Bernanke in diesen schweren Zeiten gezeigt habe.

Bernanke ist Nachfolger von Alan Greenspan, der die Federal Reserve mehr als 18 Jahre lang führte. Greenspan wurde wegen seiner Niedrigzinspolitik von vielen zu einem Mitverantwortlichen der derzeitigen Wirtschaftskrise gemacht, war aber wegen seiner speziellen Art und seiner oft vieldeutigen Aussagen besonders in den Medien auch beliebt.

Der nun amtierende Notenbankchef steht dagegen für Stabilität und die Verhinderung eines totalen Zusammenbruchs der Weltfinanzen. Am 23. Dezember 2013 könnte er sogar das hundertjährige Jubiläum der Zentralbank feiern. Im Gründungsgesetz der Notenbank sind seine drei Hauptaufgaben klar umrissen: maximale Beschäftigung, stabile Preise und moderate Zinsen. In seiner zweiten Amtszeit muss Bernanke nun also zeigen, dass er die Krisenfolgen auch nachhaltig bewältigen kann.

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Stabile Trendwende oder neue Blase?

August 21st, 2009 von Helmut_Reich

Wenn sich die Aktienkurse in einer Krise erholen, also eine stabile Gegenbewegung in einem langfristigen Abwärtstrend zeigen, dann spricht der Börsianer gerne von einer Bärenrally. Nun streiten die Experten, ob sich der deutsche Aktienmarkt derzeit in einer solchen Phase befindet. Denn der Kurs des Dax klettert seit einigen Wochen nach oben - ein Anlegermagazin titelte in diesen Tagen bereits „Börsenrally bis 2012“.

An diesem Freitag schloss der wichtigste Index der Börse in Frankfurt am Main erneut mit einem satten Plus von knapp drei Prozent. 5462 Zähler zeigte das Marktbarometer zum Handelsende an, das ist der höchste Schlussstand in diesem Jahr. Auch die europäischen Börsenindizes Stoxx50 und EuroStoxx50 befinden sich weiter auf dem Höhenflug.

Der Grund für diese positiven Börsendaten liegt vor allem in den sich aufhellenden Konjunkturdaten. Viele Anleger hoffen auf eine nachhaltige Trendwende in der Wirtschaft und das Ende der Krise. Gewiss, die Rezession scheint ihr Ende erreicht zu haben, doch das Niveau der Wirtschaft ist insgesamt zu stark eingebrochen, die Folgen könnten sich vor allem am Arbeitsmarkt im Herbst und im Winter noch deutlich niederschlagen.

Für die Spekulanten an der Börse ist also Vorsicht angesagt. Der momentane Aufschwung ist keineswegs stabil, der weit verbreitete Optimismus könnte sich noch als trügerisch erweisen. Ein Blick auf die großen Krisen der Vergangenheit zeigt, dass nach einem deutlichen Einbruch, gefolgt von einer soliden Erholung, ein weiterer, manchmal sogar noch schlimmerer Absturz folgen kann.

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Verspielte Unabhängigkeit

August 11th, 2009 von Helmut_Reich

„Europas führende unabhängige Privatbank“ – steht klar und deutlich auf der Homepage von Sal. Oppenheim. Das muss wohl bald geändert werden, denn das im 18. Jahrhundert gegründete Traditionshaus befindet sich offenbar in finanziellen Schwierigkeiten und muss nun Hilfe von außerhalb annehmen. Die Deutsche Bank steht deshalb vor einer Finanzbeteiligung bei der schillernden Privatbank.

Zunächst gibt die Deutsche Bank einen Kredit von 300 Millionen Euro an die Familieneigner der Sal. Oppenheim zur Aufstockung des Eigenkapitals. Das Bankinstitut bezeichnete dies bereits als einen ersten Schritt auf dem Wege zu einer Kapitalbeteiligung. Zuvor war schon eine strategische Partnerschaft zwischen den beiden Banken vereinbart worden.

Überraschend hatte Sal. Oppenheim im Jahr 2007 die Verlagerung des Firmensitzes von Köln nach Luxemburg bekannt gegeben – das Medienecho war wenig erfreulich. Auch wegen der Beteiligung an dem schwächelnden Arcandor-Konzern waren die Schlagzeilen für die Privatbank zuletzt negativ. Zusammen mit den Folgen der Finanzkrise scheint der Geldbedarf bei Sal. Oppenheim nun groß - und eilig. Laut einer Wirtschaftszeitung wäre ohne die Hilfe der Deutschen Bank eine Ratingherabsetzung um vier Stufen fällig gewesen.

In Finanzkreisen wird nun gemutmaßt, dass die Deutsche Bank sogar eine Mehrheit an dem Geldhaus anstrebt. Für Konzernchef Josef Ackermann wäre das eine deutliche Stärkung seines Privatkundengeschäfts, besitzt Sal. Oppenheim doch viele prominente und vermögende Kunden. Für das Traditionshaus wäre es im Gegenzug die Rettung, aber natürlich auch das Ende der viel gepriesenen Unabhängigkeit.

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Gold, Silber und Bronze für China

August 5th, 2009 von Helmut_Reich

Wohl kaum eine andere Branche wurde in den vergangenen zwölf Monaten so stark durcheinander geschüttelt wie der Bankensektor. Finanzinstitute wurden in der Wirtschaftskrise weltweit geschlossen, fusioniert oder mit Milliarden an Staatsgeldern subventioniert. Als Sieger aus dieser Entwicklung geht ein Land deutlich hervor: China.

Die wichtigsten Banken der Volksrepublik befinden sich zwar im Staatsbesitz, wurden jedoch durch weitreichende Reformen gestärkt. Börsengänge gehörten genauso dazu wie die Einbeziehung strategischer Partner aus dem Ausland und Kapitalspritzen des Staates. Als Folge dieser Maßnahmen und der dynamischen Wirtschaftsentwicklung des Landes konnten die Bilanzen der chinesischen Banken deutlich ausgeweitet werden.

Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group belegt dies deutlich. In der Reihenfolge der größten Banken der Welt gehen die ersten drei Plätze allesamt an Institute aus dem Land der Mitte: Mit der höchsten Börsenkapitalisierung führt die Industrial and Commercial Bank of China vor der China Construction Bank und der Bank of China.

Erst dahinter tauchen in der Rangliste westliche Banken wie HSBC, JP Morgan Chase oder das spanische Finanzinstitut Santander auf. Die Deutsche Bank steht hierzulande ungefährdet weiter an erster Stelle, weltweit jedoch nur auf Platz 27. Sicher sollte man in dieser Bewertung berücksichtigen, dass Chinas Banken nicht in einem solchen Umfang an der Börse gehandelt werden wie die westlichen Wettbewerber. Doch ihre grundsätzliche Stärke könnten sie bei einer weiteren Öffnung der Märkte gewiss noch ausbauen.

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Jammern auf hohem Niveau

August 2nd, 2009 von Helmut_Reich

Gewinneinbrüche von mehr als 50 Prozent hören sich zunächst bedrohlich an. Doch in Zeiten, in denen viele Unternehmen Verluste schreiben oder sogar um ihre Existenz kämpfen müssen, sind solche Rückgänge natürlich verhältnismäßig harmlos. Und besonders dann, wenn sich die verbliebenen Gewinne noch immer in Milliardenhöhe bewegen – wie derzeit in der Ölindustrie.

Exxon Mobil, BP und Royal Dutch Shell heißen die führenden Konzerne. Auch diese spüren die Folgen der Wirtschaftskrise. Die schwächere Nachfrage nach Energie in den meisten Ländern führt zu teilweise klaren Einbußen gegenüber den empörend hohen Rekordgewinnen der vergangenen Jahre. BP-Chef Peter Voser sprach in dieser Woche gar vom stärksten Nachfragerückgang in der Branche seit 1980.

Doch das bereits wieder leicht anziehende Wirtschaftswachstum vor allem in Asien wird dazu führen, dass die Umsatz- und Gewinnzahlen der Ölriesen schon bald wieder besser aussehen dürften. Schon jetzt hat der Preis für das schwarze Gold seinen niedrigen Wert vom Anfang des Jahres deutlich hinter sich gelassen, ist aber natürlich auch noch weit vom Höchststand des Vorjahres entfernt.

Zum Glück für Betriebe und Verbraucher, denn ein solch hoher Ölpreis wie 2008 war zur Belastung aller Unternehmen und Kunden geworden. Doch so ist die kleine Misere der Ölkonzerne derzeit zugleich auch ein Hoffnungsschimmer für die Gesamtwirtschaft – bis der weltweite Energiehunger erneut ansteigt.

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