März 26th, 2010 von
Helmut_Reich
Alles neu. So könnte das Motto lauten, das der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler sich beim Amtsantritt vor einem halben Jahr zu eigen gemacht hat. Nach der geplanten Einführung einer umstrittenen Kopfpauschale folgt nun das nächste gewagte Ziel: Neue Medikamente sollen durch eine Art Zwangsrabatt billiger werden und so die Krankenkassen entlasten. Ein Angriff auf die mächtige Pharmaindustrie?
Knapp 1,5 Milliarden Euro könnten die Krankenkassen laut Berechnungen insgesamt pro Jahr einsparen. Auch ein Preiserhöhungsstopp für besonders teure Medikamente ist geplant. Laut Rösler soll trotz bezahlbarer Preise die Versorgung mit innovativen Arzneimitteln gesichert werden. Notfalls solle eine Schiedskommission einschreiten und den Preis festlegen, sofern sich Hersteller und Krankenkassen nicht einigen können.
Doch das neue Verfahren ist nicht frei von Kritik. Die Pharmakonzerne könnten ihre große Marktmacht weiter ausnutzen und höhere Preise durchsetzen, wird moniert. Positiv wird dagegen gesehen, dass die Hersteller in Zukunft den medizinischen Zusatznutzen eines neuen Medikaments gegenüber den bereits etablierten Heilmitteln offen darlegen müssen. Für die Produzenten von so genannten Nachahmerpräparaten wäre das auf jeden Fall ein herber Rückschlag.
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März 23rd, 2010 von
Helmut_Reich
Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main sind landesweit bekannt. Unter dem Namen „Soll und Haben“ stehen sie symbolisch für Deutschlands größtes Finanzinstitut. Dieses hat sich nun einen Selbstschutz verordnet. Ein 90 Zentimeter hoher Wall wird um die beiden frisch renovierten Gebäude gezogen. Damit sollen mögliche Terroranschläge verhindert werden.
Doch brauchen die Banken als Folge der Finanzkrise wirklich solche kurios anmutenden Schutzmaßnahmen? Eher muss der Staat vor den Konsequenzen eines möglichen erneuten Zusammenbruchs eines Geldhauses abgesichert werden, denken sich die Politiker. Geplant wird deshalb eine Abgabe, die in einem Fonds Gelder bei den Banken einsammelt – so wird bei einer Bankenpleite zukünftig finanzielle Soforthilfe geleistet und damit der Steuerzahler entlastet.
Details dazu sind noch nicht bekannt, doch wurde die geplante Maßnahme terminlich auffallend passend vor den bundesweit bedeutenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen bekannt. Immerhin: Sparkassen und Genossenschaftsbanken sollen nicht so stark belastet werden wie die global agierenden Privatbanken, da sie nicht so spekulativ tätig sind wie diese. Unklar ist allerdings, wie mit ausländischen Banken, die in Deutschland tätig sind, umgegangen wird.
Bei den großen inländischen Finanzinstituten dürfte jedenfalls keine Freude über die Bankenabgabe aufkommen, knabbern doch die meisten von ihnen noch immer an den krisenbedingten Milliardenrückzahlungen. Einzig die Deutsche Bank hat damit keine Probleme mehr – und den Kopf offensichtlich frei für andere Dinge.
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März 20th, 2010 von
Helmut_Reich
Ein Kinobesuch kann unterhaltend sein, amüsieren oder traurig stimmen. Es gibt jedoch auch Filme, die nachdenklich machen. Und motivieren, etwas zu verändern. So auch die Dokumentation Die 4. Revolution – Energy Autonomy , die seit Donnerstag in vielen Lichtspielhäusern des Landes gezeigt wird. Ein beeindruckender Film, der sich für die Wende im Energiesektor einsetzt – und zwar schnell und flächendeckend.
Überschwemmungen als Folgen des Klimawandels oder tote Landschaften nach einem Kernreaktorunfall zeigt dieser Film bewusst nicht. Vielmehr gibt es positive Beispiele zu sehen, wie Menschen aktiv und erfolgreich an dem notwendigen Strukturwandel arbeiten. In Deutschland, Dänemark, in den USA, Mali oder Bangladesch wird nach Antworten auf die Energiefrage gesucht. Die Zukunft liegt in der Nutzung von Sonne, Wind, Wasserkraft und Erdwärme – die Beispiele zeigen dies eindrucksvoll.
Ohne diese Ideen und Aktivitäten würde sich nichts ändern, denn die großen Energiekonzerne halten an ihren althergebrachten Konzepten aus Öl, Kohle- und Kernkraft bis zum bitteren Ende fest. Der einfache Grund: sie verdienen damit unglaublich viel Geld. Doch auch die Psychologie spielt eine Rolle - viele Menschen glauben nicht, dass ein kompletter Umstieg auf Erneuerbare Energien möglich wäre. Doch dies kann funktionieren und ist keine Utopie mehr, behauptet der Film. Und muss. Denn die Zeit läuft gegen uns.
Von einer möglichen Erderwärmung um sechs Grad spricht selbst der konservative Chef der Internationalen Energieagentur in der Dokumentation. Alleine in China werden in den nächsten zehn Jahren so viele klimafeindliche Kohlekraftwerke gebaut, wie in den westlichen Industriestaaten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen. In einer Kritik wurde der ausschließlich von Unternehmen und Privatpersonen finanzierte Film der PR-Ästhetik bezichtigt. Das mag teilweise sogar stimmen, doch die Natur hat eine solch ausgezeichnete PR verdient.
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März 15th, 2010 von
Helmut_Reich
Kennen Sie Barbara Kux? Die Schweizerin sitzt im Vorstand des Weltkonzerns Siemens. Dort ist sie für den Einkauf und die Logistik zuständig. Das ist nicht besonders außergewöhnlich? Doch, denn Kux ist die einzige Frau im Vorstand eines der 30 großen deutschen Dax-Unternehmen. Ende 2008 trat sie ihr Amt bei dem Münchener Konzern mit seinen weltweit 400.000 Mitarbeitern an.
Damit nimmt Kux automatisch eine Vorbildfunktion für viele andere Vorstandsetagen in deutschen Unternehmen ein, in denen es an weiblichen Führungskräften mangelt. So finden sich laut einer Studie unter den 100 umsatzstärksten Unternehmen des Landes nur sieben Frauen in Vorstandspositionen, aber 519 Männer.
Vielleicht von diesen in ihrer Deutlichkeit überraschenden Zahlen inspiriert gab die Deutsche Telekom nun bekannt, eine Frauenquote für die Managementebene einzuführen. Spätestens im Jahr 2015 werden demnach die oberen, aber auch die mittleren Führungspositionen in dem Telekommunikationsunternehmen zu 30 Prozent von Frauen besetzt sein.
Mit Blick auf die recht gleich verteilten Zahlen der Uniabsolventen bleibt also zu hoffen, dass andere Unternehmen rasch mit ähnlichen Regelungen folgen werden. Oder die Gleichstellung muss gesetzlich geregelt werden – so wie in Norwegen. Dort wurde bereits vor Jahren eine Quote für börsennotierte Firmen eingeführt. Jeweils 40 Prozent der Aufsichtsratsposten müssen Frauen inne haben, ansonsten droht den Unternehmen eine Strafe.
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März 11th, 2010 von
Helmut_Reich
Vor zehn Jahren erreichte der Börsenboom am Neuen Markt seinen Höhepunkt. Mehr als 300 zumeist junge Unternehmen waren in diesem Segment gelistet. Börsengänge fanden damals quasi täglich statt, die Bewertungen der meisten Firmen waren hochspekulativ. Doch mit den Aktienkursen ging es schnell wieder bergab. Insolvenzen und Skandale bestimmten das Bild in den nächsten Monaten und Jahren – den Neuen Markt gibt es schon lange nicht mehr.
Auch die Börsengänge wurden mit der Zeit in Deutschland Mangelware und kamen sogar zum Stillstand, jüngst ausgelöst durch die Finanzkrise. Doch da hier das Schlimmste überstanden zu sein scheint und sich die Aktienmärkte in den vergangenen Monaten erstaunlich stabil zeigten, kündigen nun die ersten Unternehmen wieder ihr „Initial Public Offering“ (IPO) an.
Unter den Kandidaten finden sich einige aussichtsreiche Unternehmen, die nichts mehr mit einigen der gescheiterten Neue-Markt-Buden gemeinsam haben. So plant Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland den Sprung an die Börse mit einem Emissionsvolumen von 880 Millionen Euro. Als erster Handelstag für die Aktien ist der 22. März geplant – es wäre der größte Börsengang hierzulande seit zwei Jahren.
Und zugleich ein Test für weitere Kandidaten. Mit der Bekleidungskette Tom Tailor und dem Chemikalienhändler Brenntag stehen zumindest zwei weitere Aspiranten schon offiziell in den Startlöchern. Vielleicht erlebt das Neuemissionsgeschäft parallel zum Frühling also eine lang erwartete Belebung. Ein Boom wie seinerzeit am Neuen Markt wird sich aber gewiss nicht wiederholen. Zumindest nicht so schnell.
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März 8th, 2010 von
Helmut_Reich
Mit den Volksabstimmungen und Bürgerbegehren ist das so eine Sache. In der Schweiz wird gegen den Bau von Minaretten gestimmt, obwohl es dort fast keine gibt. In deutschen Städten kommen große Mehrheiten für den Erhalt von Schwimmbädern oder Wäldern zusammen, die dann doch ohne Rücksicht auf Verluste einfach abgerissen werden. Eine neue Dimension in Sachen Volksbegehren wurde nun in dem kleinen Inselstaat Island erreicht.
In dem so genannten Icesave-Referendum durften die etwas mehr als 300.000 Einwohner am Wochenende darüber entscheiden, ob Island für die finanziellen Folgen des Bankenzusammenbruchs durch die Finanzkrise aufkommen soll. Dabei geht es um eine Summe von 3,8 Milliarden Euro, die britische und niederländische Sparer verloren hatten. Die haben ihre Einlagen zwar mittlerweile von ihren Heimatländern über Einlagensicherungsfonds weitgehend ersetzt bekommen, doch diese fordern das Geld nun natürlich von Island zurück.
Das Votum fiel eindeutig aus. 93 Prozent der Isländer stimmten gegen die Rückzahlung zu den aus ihrer Sicht nicht glücklichen Bedingungen. In diesem klaren Ergebnis spiegelt sich vor allem der Volkszorn der Isländer gegen die Politiker und Banker wider, die nach ihrer Ansicht in der Finanzkrise versagt haben. Für das sowieso schon angeschlagene Island werden die Probleme jetzt noch größer. Die EU-Ambitionen und ein erhoffter Euro-Beitritt haben durch das Votum einen herben Rückschlag erlitten.
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März 5th, 2010 von
Helmut_Reich
„Der Hafen, die Lichter, die Sehnsucht begleiten das Schiff in die Ferne hinaus“. So romantisch klingt es, wenn Hamburger ihre Heimat besingen. Doch von der guten alten Seemannsromantik ist nicht mehr viel übrig geblieben, seit die Container in der Schifffahrt zum Maß aller Dinge geworden sind. Effizienz und Schnelligkeit dominieren das Geschehen an der Kaimauer, besonders im Boom der vergangenen Jahre war das so.
Seit einiger Zeit ist es allerdings ein wenig ruhiger geworden in Deutschlands größtem Hafen. Krisenbedingt ist der Containerumschlag 2009 dort um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück gegangen. Die Schiffe fahren sogar langsamer, um Sprit zu sparen und die Umwelt zu schonen. Die nahezu exzessiven Wachstumspläne an der Elbe sind mittlerweile auf ein gesundes Maß zusammengeschrumpft.
Ein schlimmer Dämpfer war es für die selbst ernannte Metropolregion, dass Antwerpen trotz der Krise an Hamburg vorbeigezogen ist als zweitgrößter Containerhafen Europas nach Rotterdam. Und dann folgte noch eine Hiobsbotschaft aus Dänemark: Die weltgrößte Linienreederei Maersk steuert mit ihren Containerriesen nun auch die polnische Stadt Danzig an – bisher galt das weite Hinterland Hamburgs bis Osteuropa als großer Trumpf der Hansestädter.
Keine wirklich perfekte Vorgabe also für den 1. Hamburger Hafen Empfang, der gestern im Internationalen Maritimen Museum stattfand. Trotzdem waren viele Politiker, Reeder und Wirtschaftsgrößen der Einladung zum neuen Jahrestreffen gefolgt. Und diese Feier setzte Maßstäbe – vor allem in Sachen Unsicherheit.
Die Reden schwankten zwischen Selbstkritik und Zweckoptimismus. Wie es nun weitergehen wird mit dem für die Stadt so wichtigen Hafen? Das weiß keiner so genau. Vielleicht erklärt diese Unsicherheit jedoch, warum die meisten Gäste an diesem Abend weder zu Rot- noch zu Weißwein griffen, sondern sich für den ebenfalls gereichten Rosé aus dem elbfernen Niederösterreich entschieden.
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März 2nd, 2010 von
Helmut_Reich
Immer im Frühjahr blickt eine ganze Branche nach Genf – in der Schweiz werden dann auf dem Genfer Auto-Salon die neuesten Entwicklungen und Modelle der Automobilindustrie vorgestellt. Hybrid-, Brennstoff- und Elektroautos stehen im Mittelpunkt der Messe. Alternative Antriebe sind zumindest auf dem Ausstellungsgelände groß in Mode. Auf den Straßen dagegen sind sie noch nicht weit verbreitet.
Auch in Deutschland nicht. Trotz der Abwrackprämie, die von der Branche gerne als Umweltprämie bezeichnet wurde. 2500 Euro Zuschuss gab es im vergangenen Jahr für die Verschrottung eines Altautos bei gleichzeitigem Erwerb eines Neuwagens. Diese Regel rettete Deutschlands Vorzeigeindustrie und damit auch die Gesamtwirtschaft vor den schlimmsten Folgen der Finanzkrise und endete fast zeitgleich mit den Bundestagswahlen.
Der Einbruch bei den Verkaufszahlen macht sich nun umso deutlicher bemerkbar: Minus 30 Prozent bei den Pkw-Neuzulassungen im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat. In der Branche redet man sich diesen Rückgang mit dem „Abbau prämienbedingter Auftragshalden“ schön. Fakt ist: das Wachstum auf dem Automobilmarkt findet schon lange außerhalb Europas statt. In China legte der Pkw-Markt Anfang des Jahres um 120 Prozent zu. Dort werden derzeit bereits fünf Mal so viele Fahrzeuge verkauft wie in Deutschland.
Die Zukunft der großen deutschen Autokonzerne liegt also im Export. Denn im Inland ist mit einem erneuten Geschenk der Politik erst einmal nicht zu rechnen. Da hilft es vorerst auch nur wenig, dass die Lobbyisten vom Verband der Automobilindustrie ihren Stammsitz nach 60 Jahren in Frankfurt am Main in diesen Tagen in die Hauptstadt Berlin verlagert haben.
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