Oktober 27th, 2009 von
Helmut_Reich
Krisenzeiten erfordern oft besondere Maßnahmen. Für zehn südostasiatische Staaten Grund genug, eine gigantisch große Freihandelszone zu planen. Nach europäischem Vorbild wollen sich Länder wie China, Japan und Südkorea, aber auch Indien und Australien zusammenschließen – das Gebiet würde insgesamt etwa ein Drittel des weltweiten Bruttosozialproduktes ausmachen.
Das ist das beeindruckende Ergebnis mehrerer Gipfeltreffen dieser Staaten in Thailand. Chinas Einfluss in der Region würde durch diese Abkommen weiter zunehmen, westliche Staaten und darunter vor allem die USA könnten die Leidtragenden dieser neuen Wirtschaftszone sein. Nur Japan scheint daran nicht sonderlich interessiert zu sein, zu stark sind die Verbindungen mit dem amerikanischen Partner gewachsen. Australien plädiert dagegen für einen Mittelweg.
Doch die nachhaltige Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der globalen Wirtschaft wird hier erneut deutlich. Aus der Wirtschaftskrise scheint Asien sowieso schon gestärkt hervorzugehen, die Erholung verläuft hier deutlich fortgeschrittener als in den westlichen Ländern. Die meisten Staaten der Boomregion haben schon fast wieder ihre hohen Wachstumszahlen aus der Zeit vor der Finanzkrise erreicht.
Mit dem geplanten Zusammenschluss zu einer riesigen Wirtschaftsregion, in der die Hälfte der Menschheit leben wird, ist ein weiterer Schritt getan, der die Position der USA als führende Wirtschaftsmacht gefährden kann. Ende des Jahres kommt es zu einem erneuten Treffen der südostasiatischen Staaten, diesmal in Australien – dann sollen die Pläne weiter konkretisiert werden.
Geschrieben in Allgemein |
Keine Kommentare »
Oktober 24th, 2009 von
Helmut_Reich
Die neue Bundesregierung wartet mit Überraschungen personeller Art auf. Karl-Theodor zu Guttenberg, bisher Wirtschaftsminister und gewiss ein Hoffnungsträger der schwarz-gelben Koalition, soll Verteidigungsminister werden, während der bisherige Innenminister Wolfgang Schäuble das Finanzressort übernimmt. Inhaltlich jedoch blieben die großen, wegweisenden Reformpläne bisher aus.
Das gilt jedoch nicht für den Gesundheitsbereich. Mit Philipp Rösler stürmt hier ein Nachwuchsmann an die Spitze des Ministeriums. Und plötzlich taucht ein Wort auf, das man schon in der Mottenkiste der Politikervorschläge wähnte: die Kopfpauschale. Nach einer Idee des ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup soll demnach jeder Versicherte eine monatliche Pauschale an seine Krankenkasse entrichten – unabhängig von seiner Gehaltshöhe.
Zu ungerecht – hieß es vor vier Jahren, das Konzept verschwand. Nun ist es plötzlich und unerwartet wieder da. Für das Jahr 2011 wird die Einführung einer solchen Kopfpauschale in Aussicht gestellt, für viele Krankenversicherte bedeutet das eine Kostensteigerung. „Eine Ordnung mit mehr Beitragsautonomie und einkommensunabhängigen Arbeitnehmerbeiträgen“, heißt es dazu im Koalitionsvertrag. Immerhin: die Beiträge einkommensschwacher Arbeitnehmer sollen sozial ausgeglichen werden.
Wie dieser Ausgleich allerdings konkret aussehen soll, ist noch unklar. Womöglich könnte dies über Steuerentlastungen geschehen. Doch Kritiker sehen bereits den Krankenversicherungsschutz von Millionen Menschen gefährdet. Soweit wird es vielleicht nicht kommen, es bleibt aber genau zu beobachten, wie sich dieser zunächst sehr radikal anmutende Systemwechsel im Detail darstellen soll.
Geschrieben in Allgemein |
1 Kommentar »
Oktober 14th, 2009 von
Helmut_Reich
Die Bundesbank findet sich in den Schlagzeilen wie lange nicht mehr. Das hängt aber nicht mit strategisch wichtigen Entscheidungen zusammen, sondern mit der verbalen Eskalation durch ein umstrittenes Vorstandsmitglied. Doch der ehemalige Berliner Finanzsenator wurde zurechtgestutzt und verlor ein wichtiges Ressort – dem Sprücheklopfer bleiben nun nur noch die Bereiche Risiko-Controlling und Informationstechnologie.
Zurechtgestutzt wurde aber auch die Deutsche Bundesbank selbst – das allerdings schon vor Jahren. Mit der Einführung des Euro ging die geldpolitische Verantwortung auf die Europäische Zentralbank über. Und seitdem befindet sich die 1957 gegründete Bank in einer Art Rechtfertigungszwang. Wozu wird sie überhaupt noch gebraucht?
„Die Bundesbank informiert Medienvertreter und die deutsche Öffentlichkeit über Strategie und Beschlüsse des EZB-Rats“, heißt es auf der Homepage zu den wesentlichen Aufgaben der Institution. Zwar werden dort auch wichtigere Gründe, etwa die Geldversorgung, genannt, doch ob das allein noch die Beschäftigung von mehr als 10.000 Mitarbeitern rechtfertigt, erscheint fraglich.
Nun hat sich diese Identitätskrise weiter verschärft, 14 der immer noch 47 Filialen sollen geschlossen werden. Gegen diese Sparpläne protestierten in dieser Woche 1500 Banker öffentlich. Wie zuvor die Kollegen der Geschäftsbanken gingen sie in Frankfurt auf die Straße – in der Geschichte der Zentralbank allerdings ein einmaliger Vorgang. Doch es besteht auch Hoffnung für die Bundesbank: Unter der neuen Bundesregierung könnte die derzeit mit der Bafin geteilte Bankenaufsicht komplett in ihre Verantwortung fallen.
Geschrieben in Allgemein |
Keine Kommentare »
Oktober 10th, 2009 von
Helmut_Reich
Australien hat es vorgemacht. Als erste große Industrienation hat die heimische Notenbank den Leitzins wieder erhöht. Vom Rekordtief 3,0 Prozent ging es einen Viertelpunkt hinauf. Die Konjunktur in dem Land springt wieder an, die Wirtschaft auf dem fünften Kontinent war jedoch auch nicht so stark von der Krise betroffen wie in den meisten anderen Regionen. Weitere Zinserhöhungen werden in Australien bereits erwartet.
In Europa ist man noch nicht so weit. Trotz eines sich aufhellenden Konjunkturhimmels beließ die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins bei 1,0 Prozent. An eine Erhöhung sei vorerst auch nicht zu denken, hieß es – nicht vor Mitte des nächsten Jahres, so lauten die Prognosen der meisten Zinsexperten. Mit dieser Niedrigzinspolitik soll der zarte Aufschwung nachhaltig gestützt werden.
Doch ein früheres Gegensteuern könnte schon bald notwendig sein, um die drohende Inflationsgefahr rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Noch zeigen die Preisteuerungsindizes diese Entwicklung zwar nicht an, doch durch die vielen Konjunktur- und Bankenrettungsprogramme ist eine enorme Liquidität im Markt – die steigenden Aktienkurse sprechen für sich.
Die EZB sieht sich trotzdem als Herr der Lage an. Jederzeit könne man handeln, um die Preise weiter stabil zu handeln. Szenarien, die von Inflationsraten in den nächsten Jahren von weit über den als erträglich angesehenen zwei Prozent ausgehen, scheinen die Zentralbanker zumindest offiziell auszuschließen. Schwappt eine solche Teuerungswelle allerdings aus den USA nach Europa, dann sind die Mittel der EZB sowieso nur begrenzt.
Geschrieben in Allgemein |
1 Kommentar »
Oktober 1st, 2009 von
Helmut_Reich
Eine besondere Begleiterscheinung der Wirtschaftskrise sind die hohen Bonuszahlungen an Investmentbanker. Schrieben viele Medien vor ein paar Jahren oft noch euphorisch über die wilden Partys in London oder Frankfurt in den Tagen der Auszahlungen, kehrte sich die Berichterstattung nun schnell in Unverständnis und Häme um. Beispiele für übertriebene und ungerechtfertigte Boni gibt es sicherlich genug, doch die Kritik daran ist nur eine symbolische, denn die Wurzeln der Krise liegen woanders.
Ausbaden müssen diese Auswüchse nun allerdings die ganz normalen Bankangestellten. Auch diese wollen mehr Geld – wenn auch auf ganz anderem Niveau als gehypte Spitzenbanker und abgezockte Investmentprofis. Das Zauberwort heißt hier – und das klingt nun überhaupt nicht sexy –Tarifverhandlungen.
Vor einem halben Jahr gab es laut Tarifvertrag für die knapp 250.000 Beschäftigten privater und öffentlicher Banken die Einigung auf 2,5 Prozent mehr Gehalt und eine Einmalzahlung - alles rückwirkend zum November. Nun demonstrieren die ersten Banker erneut. Die Hauptforderungen der Gewerkschaft Verdi lauten diesmal: Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen, eine Verlängerung der Altersteilzeit und Standortsicherungen.
Doch eine Einigung ist derzeit nicht in Sicht. Der Vorschlag, auch einen Rettungsschirm für die Angestellten zu schaffen, stößt bei den Arbeitgebern erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe. Vor allem bei den Landesbanken ist die Sorge vor einem Stellenkahlschlag jedoch groß – Jobsicherheit steht hier schon lange höher im Kurs als irgendwelche Bonuszahlungen.
Geschrieben in Allgemein |
1 Kommentar »